2016 - Das Missverständnis nach Albert Camus

Der Workshop

Ursprünglich war „Das Missverständnis“ von mir als Workshop für das Figurentheater Ravensburg e.V. gedacht. Er sollte den Vereinsmitgliedern die Möglichkeit geben, eine Produktion für Erwachsene mit ihren vielen Schritten von der Idee bis zur Inszenierung durchzuspielen.

Warum gerade "Das Missverständnis"?

Im Gegensatz zum üblichen Lesen von verschiedenen Rollenbüchern in der Hoffnung, dass etwas Inspirierendes dabei ist, entstand die Idee zu diesem Projekt schon 2014 durch die SWF-Fernsehproduktion „Das Mißverständnis“ von 1966, die auf Youtube angesehen werden konnte. Dieses Video diente als Funke für alle Teilnehmer, sich mit den Stück zu beschäftigen. Es wurden Hintergrundinformationen gesichtet: Leben und Werk von Albert Camus | Was ist Existenzialismus? | Zur Bedeutung der Liebe im Werk von Albert Camus. Es wurden aber auch allgemeine Schauspieltechniken studiert und geprobt: z. B. Method Acting nach Lee Strasberg. Die Techniken wurden gezielt auf das Stück angewendet. Während des Workshops wuchs bei allen Beteiligten der Wunsch, das Projekt abzukürzen und das Stück zu inszenieren, also für Zuschauer aufzuführen.

Inszenieren

Bedenken, dass bei einem derart düsteren Stück keine Zuschauer kämen, konnten wir bei einem kleinen Probelauf während der Kunstnacht 2015 entkräften. Bei dieser Kunstnacht wollte Dolores Gregoric in den Räumen des Figurentheaters ihre Bilder ausstellen. Als ich hinzugezogen wurde, wie und wo die Bilder am besten zu platzieren wären, hat sich herausgestellt, dass ihre kleinen alptraumhaften Figuren mit den großen Augen dem entsprachen, wie ich die Figuren zum Stück machen wollte. Die gemeinsame Begeisterung führte dazu, dass Dolores Gregoric sich ebenfalls mit dem Stück befasste und Entwürfe zeichnete, nach denen die jetzigen Figuren geschaffen wurden. Die ersten beiden Figuren waren schon zur Kunstnacht fertig und die erste Szene wurde schnell eingeübt und als kleine Kostprobe aufgeführt. Die Zuschauerreaktion war absolut überraschend. Zu jeder den angekündigten Uhrzeiten war das Theater stets mit Publikum ausgefüllt, das uns ermutigte, das Stück aufzuführen. In einjähriger Probezeit haben wir nun das Stück gemeinsam erarbeitet und können das Abendprogramm des Figurentheaters Ravensburg mit einer Eigenproduktion bereichern.

Figurentheater

So mancher fragt sich: Warum Figurentheater? Ist doch eigentlich ein Schauspiel. Im Grunde hat er Recht, doch die Figuren ersetzen in dieser Inszenierung nicht einfach nur die Schauspieler, sondern sie erweitern deren Persönlichkeit. Sie sind Schutzschild und Dämon, Vertrauter und Sündenbock.

Kritiker

Ist es normal, dass Kritiker nicht mit einem sprechen? Ja. Ist es normal, dass sie Vermutungen anstellen, ohne die Wahrheit wissen zu wollen? Ja, leider auch das. Das musste ich feststellen, als ich Kritiken zu unserem Stück lesen durfte. Ich bin nicht so berühmt wie Nikolaus Habjan, der 2014 ebenfalls das Missverständnis in Graz inszenierte und es ist mir eine Ehre, mit ihm verglichen zu werden. Es macht mich allerdings wütend, wenn man mir unterstellt, von Habjan abgekupfert zu haben. Die Idee dieses Stück zu inszenieren kam mir schon 2013, als ich mir Elisabeth Flickenschildt als Mutter in der SWF-Produktion "Das Mißverständnis" von 1966 auf Youtube anschaute. Sie agierte in schwarzweiß derart kühl, ohne die geringste Mimik, wie eine meiner Figuren. Das war die Initialzündung, der Funke, der das Feuer in mir entbrannte. Menschengroße Figuren sind mir schon lange vertraut, mit ihnen habe ich schon in der "Dreigroschenoper" in einer Inszenierung des Figurentheaters Ravensburg selbst gespielt und gesungen. Und schon schreibe ich mich in Rage. Doch wofür soll ich mich aufregen? Das Publikum ist es, wofür wir spielen. Die Spieler sind es, wofür ich inszeniere. Diese tiefgreifenden Erfahrungen wird mir... wird uns keiner nehmen. Und die Vorstellungen sind ausverkauft.

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